Landwirtschaft in der Stadt

Landwirtschaft in der Stadt gibt es nicht? Irrtum! In Andernach am Mittelrhein wachsen auf Grünflächen nicht nur Blumen, sondern auch Möhren, Salate und Zuchini. Und das Beste: Ernten darf hier jeder Einwohner.

131022_ZgfdT_Herbstgemuese_Beispielhaft_Stadt_Andernach1NEUÜber 100 Gemüse- und Obstsorten hat die Stadt Andernach auf 10.000 Quadratmetern angepflanzt. Sähen, pflegen und ernten werden dabei für die Öffentlichkeit erlebbar. Ein kleines Naturschauspiel, das bei den Bewohnern einen bleibenden Eindruck hinterlässt, wie Andernachs Geoökologe Lutz Kosack berichtet: „Wenn ich über sechs Wochen sehe, wie ein Kohlrabi wächst, dann lasse ich ihn nicht einfach vergammeln.“ Letztendlich gehe es um den Wert von Lebensmitteln. „Der wird den Leuten einfach viel stärker bewusst, wenn sie Kontakt mit der Produktion von Nahrungsmitteln haben“, sagt Kosack.

Entstanden ist die Idee zur „Essbaren Stadt“ im Jahr der Biodiversität 2010. „Wir haben uns überlegt, wie man den Leuten das Thema Biodiversität besser vermitteln kann – über riechen, anfassen und schmecken“, erzählt Kosack. Die Verwaltung entschied sich damals, 101 Tomatensorten entlang der Schlossmauer zu pflanzen – eine nicht nur sprichwörtlich wegweisende Idee „Und das kam so gut an, dass wir das Projekt ausgeweitet haben“, berichtet Kosack.

Aus „Betreten verboten“ wurde „Pflücken erlaubt“: Das nachhaltige Konzept „Essbare Stadt“ entstand. Andernach setzt dabei auf regionale und seltene Obst- und Gemüsesorten. Wer dadurch auf den Geschmack komme und auch im Laden Regionales kaufe, wirke in jedem Fall Lebensmittelverschwendung entgegen. Bei regionalen Produkten sei die Gefahr geringer, dass Lebensmittel beim Umladen oder auf dem Transportweg beschädigt werden und deshalb auf dem Müll landen.

In Stand gehalten werden Beete und Bäume von Langzeitarbeitslosen. Doch auch immer mehr Bürger beteiligen sich an der urbanen Landwirtschaft, deren bewirtschaftete Fläche allmählich und nachhaltig weiterwächst. Ein Winzer im Ruhestand kümmert sich um den Weinanbau, eine Schulklasse pflegt ein Gemüsebeet und Engagierte übernehmen zunehmend Beet-Patenschaften. Probleme mit Vandalismus gibt es kaum. Zu groß sei die Wertschätzung des essbaren Gemeinguts. Auch bleiben Obst und Gemüse nicht einfach liegen und verfaulen, wie manche Kritiker zunächst befürchteten. Kosack freut das Engagement der Bürger: „Die Leute machen die Grünflächen zu ihrem Reich und holen Lebensmittel dahin, wo sie hingehören – in die Lebensmitte.“

Quelle: Zu gut für die Tonne!

Bild: Pressestelle Stadt Andernach

Euer Julian vom besserhaushalten-Team

www.besserhaushalten.de

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1 Antwort zu Landwirtschaft in der Stadt

  1. Ralf sagt:

    Ich finde das ist eine super Idee, um den Menschen wieder eine Verbindung zu den Lebensmitteln zu geben und somit gegen eine Wegwerfgesellschaft vorzubeugen. Dies sollte man auch in anderen Städten einführen und nach Möglichkeit viele Menschen mit einbinden. Andernach hat den ersten Schritt gewagt und andere Städte sollten nun nachziehen, denn der Erfolg hat sich in Andernach gezeigt. Super Idee! 😉
    Schöne Grüße Ralf

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