„Hessischer Apfelwein“: Äpfel müssen nicht aus Hessen stammen

Am hessischen „Nationalgetränk“, dem Apfelwein, entzündet sich aktuell eine Diskussion um die Bedeutung von Herkunftsbezeichnungen in Produktnamen. Bei einer Routinekontrolle wurden in hessischen Keltereien nicht deklarierte Zuckerzusätze entdeckt. Außerdem stammten die Äpfel für den Wein offensichtlich zu ganz erheblichen Anteilen – in einem Fall bis zu 90 Prozent – nicht aus Hessen. Das Süßen des bekanntermaßen herben Getränks ist nicht grundsätzlich verboten, jedoch müssen Zucker oder süßende Zusatzstoffe dann auf dem Etikett deklariert sein – und das Produkt dürfte nicht mehr „Hessischer Apfelwein“ heißen, denn dieser ist geschützt durch das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.).

Die Registrierung und das EU-weite Siegel, das der Hessische Apfelwein tragen darf, haben zum Ziel, besondere traditionelle regionale Produkte vor Nachahmungen zu schützen. Dieser so genannte Geoschutz muss für jedes Erzeugnis auf EU-Ebene einzeln beantragt werden. Im Antrag wird genau beschrieben, aus welchen Rohstoffen das Produkt besteht, wo und wie es hergestellt wird und welche Besonderheiten es aufweist. Für den Hessischen Apfelwein ist festgelegt: Er wird aus 100 Prozent Fruchtsaft hergestellt und Vergärung, Klärung und Abfüllung erfolgen ausschließlich in Hessen.

Wenn es um die Äpfel geht, werden die Bestimmungen ungenau. Es heißt dort „Ziel der Keltereien ist es, den Apfelwein fast ausschließlich aus hessischen Äpfeln zu machen.“ Eine Vorgabe, wie hoch der Anteil an regionalen Äpfeln mindestens sein muss, gibt es nicht. Insofern stellt sich die Frage, wie weit der Hessische Apfelwein vom vorgegebenen „Ziel“ abweichen darf.

Die hessische Verbraucherministerin Priska Hinz fordert, dass er zumindest zur Hälfte aus hessischen Äpfeln bestehen soll. Den Medienberichten zufolge sind einige Keltereien anderer Auffassung und berufen sich dabei auf die fehlende Festlegung. Sie sind der Ansicht, der Rohstoff Apfelsaft dürfe bei mangelnder Verfügbarkeit auch aus anderen EU-Ländern oder sogar Drittländern stammen.

In der Auseinandersetzung zeigt sich die Kluft zwischen den Erwartungen von Verbrauchern, den Anforderungen aus Sicht der Hersteller und den gesetzlichen Vorgaben. Die Verbraucherzentrale sieht das g.g.A-Siegel grundsätzlich kritisch. Anders als der Begriff assoziiert, muss es sich bei Lebensmitteln mit diesem Siegel nur in eingeschränktem Maß um regionale Produkte handeln. Verbraucher beziehen aber – besonders wenn wie in diesem Fall die Region Bestandteil des Namens ist – diese oft auf den Ursprung der Rohstoffe. Sie können sich getäuscht sehen, wenn die Rohstoffe wie im aktuellen Fall zu bis zu 90 Prozent nicht aus der Region, teilweise offensichtlich nicht einmal aus der EU stammen.

Quelle: www.lebensmittelklarheit.de

Euer Julian vom besserhaushalten-Team

www.besserhaushalten.de

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